Ich hasse Hochzeiten! Aber es war die Hochzeit meiner Schwester, die vor fünf Jahren nach Kalifornien ausgewandert war, und die ich nicht enttäuschen wollte. Außerdem hatte sie in meine Einladungskarte ein Flugticket gelegt, wie hätte ich da nein sagen sollen?
So kam es, dass ich plötzlich im schicken, schwarzen Anzug in irgendeinem amerikanischen Kaff stand und den glücklichsten Tag meiner Schwester mit bestimmt hundert fremden Gästen feierte. Außer Tante Friedel war aus unserer Familie niemand anwesend - es gab auch niemanden mehr. Unsere Eltern sind vor vielen Jahren ums Leben gekommen und da war nur unsere Tante, zu der wir Kontakt hatten. Um dieser Tante aber aus dem Weg zu gehen (wenn sie einmal zu reden begann, gab es kein entkommen mehr), verdrückte ich mich vor der Trauung ziemlich schnell an die Bar des Hotels, in der die Verwandschaft meines Schwagers wohnte und setzte mich hinter eine staubige Yucca-Palme. Hier zündete ich mir erst einmal eine Zigarette an und versuchte ein wenig zu entspannen.
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